Freitag, 27. April 2012

Urban Gardening für alle – ab Mai in Altona-Altstadt.

[update:] Das Hochbeet steht! Hier findet ihr Bilder vom Beet-Club Altona 

Nach langen Querelen drohte der Bertha-von-Suttner-Park 2011 endgültig, der Zerstörung durch Vattenfall anheimzufallen, ein Schicksal, dem die erweiterte Nachbarschaft mit dem Motto „Blumen statt Baustelle“ und sporadischen Pflanzaktionen begegnete. Nun ist der Park vorerst gerettet – und aus dem gärtnerischen Aufbegehren wird ein Urban Gardening Projekt.

Vier Monate lang hieß es für den Freundeskreis Suttnerpark: Meinungen diskutieren, mit dem Bezirksamt korrespondieren, Beetbau studieren, Geld akquirieren. Ab Mitte Mai heißt es für alle: endlich gärtnern. Denn in Absprache mit der Abteilung Stadtgrün und gefördert durch den Verfügungsfonds für Altona-Altstadt errichten wir mit euch ein Beet!

Der Suttnerpark liegt zwischen S-Bahn Holstenstraße und Max-Brauer-Alle
Ein Nachbarschaftsbeet nahe der S-Bahn Holstenstraße.
Aufgrund des Neubauprojektes Wohnen am Suttnerpark wird Letzterer die nächsten zwei Jahre unbewohnbar sein. Daher wurde uns von der Abteilung Stadtgrün die an den Park grenzende Rasenfläche vor der Christuskirche Altona zugewiesen. Im Scheitern sehen wir eine Chance – immerhin wird hier auch nach Errichtung des fünfstöckigen Neubaus noch die Sonne scheinen.

Dass über dem Gärtnern auf öffentlichem Raum stets das Damoklesschwert mutwilliger Zerstörung hängt, stank uns bereits 2011. Weitaus übler riecht jedoch eine Unannehmlichkeit, die ich im Weiteren scherzhaft als „Kotaminierung“ bezeichnen werde. Beiden Herausforderungen treten wir mit einer speziellen Form des Hochbeetes zuversichtlich entgegen.
Auf der Rasenfläche vor der Christuskirche bauen wir ein Nachbarschaftsbeet
Gärtnern mit Amateuren – aber auf hohem Niveau.
Die Basis des Beetes werden Gabionen bilden, stabile Drahtkörbe, die wir mit Kokosmatten verkleiden und mit Kompost füllen. Je über 100 Kilo schwer bieten sie Randalierern leicht Paroli. Ihre Höhe von 50 Zentimetern senkt das Risiko der Kotaminierung. Und im Falle einer Umgestaltung des Parks lassen sie sich mit geeigneten Gerätschaften voll bepflanzt transportieren.

Bei Aufbau, Aussaat, Bepflanzung und Pflege darf und soll sich jeder, der Lust hat, beteiligen. Denn Ziel des Nachbarschaftsbeetes ist, dass die Menschen im Viertel sich besser kennenlernen, den Suttnerpark als Ort des kreativen Miteinanders etablieren und gemeinsam Verantwortung dafür übernehmen. Also worauf wartet ihr noch? Kommt in den Freundeskreis Suttnerpark!

8. Mai: lockeres Kennenlernen mit dem Freundeskreis Suttnerpark
  • Dienstag, 08.02.2012
  • ab 20:00 Uhr
  • an der Feuertonne
  • bei der Tischtennisplatte im Suttnerpark (falls sie dann noch steht)
  • wir planen den Beetbau und manche trinken ein Bier
12. Mai: Gemeinsam mit euch bauen wir ein Hochbeet und grillen
  • Samstag, 12.05.2012
  • Suttnerstraße (Ecke Holstenplatz)
  • ab 10:00 Uhr wird gebaut und gegärtnert, später gegrillt
  • bringt gerne Saatgut und Pflanzen für das Hochbeet mit
  • Gartenhandschuhe und kleine Schaufeln nicht vergessen
  • Grills und Sitzgelegenheiten vorhanden, für Grillgut sorgt jeder selbst
  • vis–a–vis feiert die Christuskirche ihr jährliches Hoffest mit Hüpfburg
Als Einstimmung einige Erinnerungen an die Parksaison 2011:
Nachbarschaftstreff Nr. 2 mit Kaffee und Kuchen im Juni mehr...
Im Juli pflanzten wir erstmals „Blumen statt Baustelle!“ mehr...
Das zweite große Parkfest im September, bevor der große Regen kam mehr...

Dienstag, 24. April 2012

Meine Lesetage – deine Lesetage.

Während ich im Bett sitze und mit einem Berg von Beipackzetteln meine eigenen kleinen Lesetage veranstalte, steuert die Veranstaltung „Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen!“ einem weiteren Höhepunkt entgegen. Denn heute Abend liest Martina Bölck aus ihrem Buch „Wie überall und nirgendwo sonst – Fünf Jahre China“. Warum ist Schlafen ein beliebtes Hobby chinesischer Studenten? Gab es auch in China eine sexuelle Revolution? Kann man etwas erreichen ohne etwas zu tun? Einige dieser drängenden Fragen beantwortet die Autorin vielleicht um 19:30 Uhr im Lichtmess-Kino in der Gaußstraße 25.

Des Weiteren empfehle ich jedem, der nicht bereits in den Genuss kam, dieses Statement einer der Initiatorinnen des Lesefestes ohne Vattenfall:

Mein Lieblingszizat: „Dafür zahle ich doch keine Gebühren!“ Großartig!

„Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen!“ läuft noch bis zum 27. April. Hier findet ihr das komplette Programm für 2012.

Freitag, 20. April 2012

Interview: Justus Schütze von buzzn über eine Zukunft ohne Energiekonzerne.

Mit voller Energie für People Power: buzzn Geschäftsführer Justus Schütze
Atomausstieg, Bürgerproteste gegen Kohlekraftwerke, massive Kritik von den Verbraucherzentralen – die goldene Zeit der Energiekonzerne scheint vorüber. Immer mehr lokale Initiativen fordern „Energie in Bürgerhand“. Bei dem Münchener Startup buzzn ist die „People Power“ bereits Realität. Ein Interview mit Geschäftsführer Justus Schütze.

Hallo Justus. Zunächst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Vielleicht beginnen wir mit ein paar Worten zu deinem beruflichen und privaten Hintergrund. Wie wird man zum Geschäftsführer von buzzn?

(Justus Schütze:) Hallo Benjamin, herzlichen Dank für die Möglichkeit, hier etwas über buzzn sagen zu dürfen! Wie wird man Geschäftsführer von buzzn? Nun, vielleicht indem man etliche Jahre in der Energiewirtschaft gearbeitet hat und dabei das eine oder andere gesehen und gelernt hat. Mit meinen Kenntnissen und Erfahrungen alleine wäre buzzn jedoch nie entstanden. Dazu bedurfte es in hohem Maße auch der Beiträge meiner beiden Mitgründer Danusch Mahmoudi und Thomas Theenhaus, die aus anderen Bereichen kommen, nämlich der Werbe- und der IT-Branche.

Vor vierzehn Jahren wurden die ersten unabhängigen Anbieter gegründet, heute ist Ökostrom im Mainstream angekommen, immer neue Startups drängen auf den Markt. Ihr habt mit buzzn einen anderen Weg eingeschlagen. Was steckt dahinter?

(Justus Schütze:) Der entscheidende Unterschied zwischen buzzn und herkömmlichen Stromlieferanten – egal ob Öko oder nicht – ist, dass der Strom bei buzzn aus lokaler Produktion stammt. Er wird von vielen Privatleuten sowie kleinen und mittleren Unternehmen in dezentralen Mini-Kraftwerken erzeugt. Zum Beispiel in stromerzeugenden Heizungen, sogenannten Blockheizkraftwerken, oder in Solarstromanlagen.
Das ist zum einen ökologisch sinnvoll, weil der Strom erneuerbar ist oder, im Fall von Blockheizkraftwerken, unter fast vollständiger Nutzung der Abwärme zur Heizung und Warmwasserbereitung verwendet wird. Außerdem minimiert lokaler Strom Netzverluste, da er dort produziert wird, wo er gebraucht wird.
Zum anderen ist buzzn Strom ökonomisch sinnvoll. Im Sinne eines fairen Energiemarktes, in dem es nicht nur viele kleine Stromnachfrager, sondern auch viele kleine Stromanbieter gibt. Wir reden hier also von einer echten Demokratisierung des Strommarktes. Aber auch im Sinne einer regionalen Wertschöpfung, da das Geld unserer Stromnehmer den Stromgebern unmittelbar zugutekommt – ohne Umweg über Zwischenhändler, Netzbetreiber, Strombörse und Energiekonzerne.

buzzn ist also kein Stromanbieter, sondern eine Tauschbörse?

(Justus Schütze:) In gewisser Weise ja. Bei einer Tauschbörse laufen jedoch immer bilaterale Geschäfte zwischen zwei Handelspartnern ab, was bei buzzn nicht der Fall ist. Das würde nämlich bedeuten, dass sich Stromgeber und Stromnehmer immer genau auf eine Art Stromprodukt einigen müssten, zum Beispiel auf einen individuellen Fahrplan, den der Stromnehmer vom Stromgeber jeden Tag benötigt. In der Praxis wäre das viel zu mühsam, weshalb wir bei buzzn den Gesamtbezug aller Stromnehmer bündeln und mit der Gesamteinspeisung aller Stromgeber synchronisieren.

Das klingt sehr abstrakt. Beim Thema Ökostrom hilft vielen Menschen das Modell eines Stromsees, in welchem der Anteil an Ökostrom zunimmt. Kannst du den Stromfluss bei buzzn ähnlich bildhaft darstellen?

(Justus Schütze:) Wenn man das deutsche Stromnetz als Stromsee betrachten möchte, dann müssen dort zu jedem Zeitpunkt die Einspeisungen in den See synchron sein mit den Bezügen aus dem See. Bildlich gesprochen: Der Pegel des Sees, also die Netzfrequenz, muss immer konstant sein. buzzn Strom ist eine Teilmenge dieses Sees. Dabei speisen unsere Stromgeber zu jedem Zeitpunkt immer mindestens genauso viel Strom in den See ein, wie unsere Stromnehmer daraus beziehen. Es ist also die Bilanz, die ausschlaggebend ist. Und natürlich gilt: Je mehr guter Strom von den Stromnehmern nachgefragt wird, desto mehr Stromgeber müssen einspeisen, bis irgendwann der konventionelle Strom verdrängt ist.
People Power ist bunt

Wenn du von gutem Strom sprichst, meinst du sicher die ökologischen und ökonomischen Vorteile von buzzn Strom, die du bereits erwähnt hattest. Kannst du diese Aspekte konkretisieren?

(Justus Schütze:) Unsere Stromgeber profitieren unter anderem von der Wertschätzung und der direkten finanziellen Unterstützung durch die Stromnehmer, die ihnen als Teil des Bezugspreises einen Extra-Cent zukommen lassen. Die Stromnehmer zahlen einen für echten Ökostrom unterdurchschnittlichen Bezugspreis von derzeit 23,50 Cent/kWh sowie 8,00 Euro pro Monat – beides inklusive aller Steuern und Abgaben – und haben dabei das gute Gefühl, ökologisch und ökonomisch sinnvollen Strom zu kaufen. Dass buzzn Strom ökologisch wertvoll ist, weil er erneuerbar ist und Netz- und Wärmeverluste minimiert, hatten wir ja zuvor erörtert.

Ist es nicht riskant, sich auf private Stromgeber zu verlassen? Wer sorgt für Ersatz bei unvorhersehbaren Ausfällen, müsst ihr Atom- und Kohlestrom einkaufen?

(Justus Schütze:) buzzn bündelt den Strom vieler Stromgeber und bringt ihn, unter der Aufsicht der Bundesnetzagentur, als offizieller Lieferant an deine Steckdose. Für dich als Einzelnen ist die Stromversorgung über buzzn daher genauso sicher wir für jeden herkömmlichen Stromkunden auch. Dafür sorgt der Gesetzgeber zum Beispiel damit, dass er in jedem Netzgebiet einen sogenannten Grundversorger dazu verpflichtet, einzuspringen, falls ein Lieferant Schwierigkeiten hat. Grundversorger ist immer der Stromlieferant mit den meisten Kunden. Dieser Fall ist beispielsweise unlängst bei Teldafax eingetreten, die aufgrund ihres Dumpingpreis-Modells in Insolvenz gegangen sind. Aber in letzter Instanz ist es immer der Netzbetreiber, der die Pflicht hat, dir den Strom physisch an die Steckdose zu bringen, zur Not auch, nachdem er ihn am Markt eingekauft hat.

Keine schöne Vorstellung, in Hamburg obliegt Vattenfall sowohl die Grundversorgung, als auch die Hoheit über die Netze. Aber in der Regel kommt eure People Power ja von den Stromgebern. Das führt mich zur wichtigen Frage der Transparenz. Kann ich als Stromnehmer nachvollziehen, woher mein Strom stammt und wie er erzeugt wurde?

(Justus Schütze:) Danke für diese Frage! Die Transparenz ist bei buzzn schon heute viel größer als bei jedem anderen Stromlieferanten. Mit einem Blick auf unsere Karte kann jeder nämlich schon heute überprüfen, wo unsere Stromgeber Strom produzieren und wohin sein Geld fließt. Oder er kann mit einem Blick in die Galerie einige unserer Stromgeber und deren Mini-Kraftwerke kennenlernen. Wir arbeiten daran, auch weitere Parameter transparent zu machen, zum Beispiel den Status unseres People Power Pools, also der Gesamtheit all unserer Einspeise- und Bezugsstellen. So wird bald jeder nachvollziehen können, dass wirklich nur lokal produzierter Strom fließt.

Lokaler Strom ist ein gutes Stichwort! Alle Welt redet vom massiven Ausbau der Stromnetze und von Smart Grids, ihr redet von kurzen Transportwegen. Bedeutet das, wenn sich in meiner Nähe kein Stromgeber findet, kann ich buzzn nicht nutzen? Bei welcher Distanz zieht ihr die Grenze?

(Justus Schütze:)  Nein, sobald du buzzn Stromnehmer geworden bist, wirst du immer aus dem People Power Pool versorgt werden, also der Gesamtheit aller Stromgeber deutschlandweit. Dass bei dir um die Ecke der nächste Stromgeber einspeist, ist nicht zwingend erforderlich, wird mit wachsender Zahl der Stromgeber aber früher oder später der Fall sein.

Laut eurer Website stammt 100 % des Stroms bei buzzn aus Kraft-Wärme-Kopplung, der Großteil davon durch Erdgas. Erneuerbare Energien spielen keine Rolle. Woran liegt das?

(Justus Schütze:) Das ist nicht ganz korrekt, denn seit Anfang 2012 fließt auch Solarstrom in unseren People Power Pool. Möglich wurde dies durch eine gesetzliche Änderung, welche die Direktvermarktung von Strom aus Erneuerbaren Energien erleichtert. Wir freuen uns über diese Änderung und bereiten derzeit schon weitere solare Stromgeber, aber auch Stromgeber aus kleinen Wasser- und Windkraftanlagen für die Einspeisung in unseren People Power Pool vor.

Apropos Stromgeber – in Hamburg möchte das Kultur Energie Bunker Altona Projekt (KEBAP) leerstehende Hochbunker zu Blockheizkraftwerken umbauen, um die Nachbarschaft mit Strom und Fernwärme zu versorgen. Wäre diese Initiative ein möglicher Partner für buzzn?

(Justus Schütze:) Auf jeden Fall! Das hört sich nach People Power in Reinform an. Falls eine oder einer der Projektverantwortlichen das hier liest, soll sie oder er sich unbedingt bei uns melden. Wir haben in den Reihen unserer Stromgeber auch sehr BHKW-erfahrene Leute, die bei Bedarf sicher gerne mit Rat zur Seite stehen.

Nach allem, was ich gehört habe, lohnt sich das buzzn. Auch finanziell: Die Erzeuger bekommen mehr, die Abnehmer zahlen weniger, am Ende profitieren alle. Wie steht es mit euch?

(Justus Schütze:) Du meinst das buzzn Team? Natürlich wollen wir irgendwann unseren Lebensunterhalt mit buzzn verdienen und werden das auch können, wenn genug Menschen unsere Plattform nutzen. Bis dahin leben wir vom Ersparten und von freiberuflichen Nebentätigkeiten. Was uns wirklich antreibt, ist aber nicht das Geld, sondern die Möglichkeit, mit buzzn einen Beitrag zu einem sinnvollen neuen Energiesystem leisten zu dürfen.

Justus, vielen Dank für das ausführliche Interview und weiterhin viel Erfolg mit People Power!

> Alle Informationen für Stromgeber und Stromnehmer bei buzzn.net
> Gefällt mir: buzzn.net bei Facebook
> AGITANO hat einen spannenden Audio-Podcast mit Justus Schütze

Mittwoch, 18. April 2012

Kultur ohne Kohle: Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen!

In Hamburg liest man Tschüss
Es dürfte niemandem entgangen sein, dass ein mit Leim bewaffneter Christo ganz Hamburg mit Vattenfall-Werbung verhüllt hat. Die Plakate zeigen weder rostende Fässer mit Atommüll, noch für den Tagebau zerstörte Dörfer und Naturschutzgebiete; da die eigenen Produkte nur Krankheit und Leid und bringen, wirbt Vattenfall lieber mit kulturellem Mäzenatentums, den Vattenfall Lesetagen.

Das Plakatmotiv – ein kleiner Junge, der ein Buch liest – illustriert die beschämende Diskrepanz zwischen Gemeinwohl und Wohltäter: Der Konzern, der hier mit einem Kind um die Gunst der Bürger buhlt, beschert selbigen gerade das größte Kohlekraftwerk Europas – und eine Feinstaubbelastung, die das Risiko von Krebserkrankung und Herzinfarkt vor allem bei Kindern mehrt.

Zum Glück ist es auch in diesem Jahr ein Leichtes, Vattenfall den Stecker zu ziehen – als Stromanbieter und als Sponsor. Denn für beides sorgt zwischen dem 18. und dem 27. April die zweite Auflage von „Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen!“. Meine persönlichen Höhepunkte dieser Lesetage ohne Atom- und Kohlestrom möchte ich euch kurz vorstellen.

Als Baumbesetzerin hat Cécile „Das Eichhörnchen“ Lecomte wesentlich dazu beigetragen, den Grünzug Altona vor der Zerstörung durch Vattenfall zu retten. Seitdem gilt sie nicht nur mir als Heldin:

Cécile Lecomte, Nadine Dietrich: „Eichhörnchens permanente Revolte“ 
  • Lesung, Radiostücke und Gespräch
  • Donnerstag, 26.04.2012
  • um 19:00 Uhr
  • im Gängeviertel, Valentinskamp 39
Martina Bölcks humorvolle und kreative Ausdrucksweise ist steter Quell der Freude für den Freundeskreis Suttnerpark, der die Autogrammjagd in großer Reisegruppe plant:

„Wie überall und nirgendwo sonst“ – China einmal anders
  • Lesung mit Martina Bölck
  • Dienstag, 24.04.2012
  • um 19:30 Uhr
  • Lichtmeß-Kino, Gaußstr. 25
Das popkulturelle Triptychon aus Titanic-Autor Rayk Wieland, Musikerin Bernadette La Hengst und Elektro-Punk-Urgestein Knarf Rellöm bildet Höhepunkt und Abschluss der einzigen wahren Hamburger Lesetage:

Große Abschlussveranstaltung mit Lesung und Livemusik
  • Rayk Wieland liest aus „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“
  • Konzert mit Bernadette La Hengst
  • DJ-Set von Knarf Rellöm
  • Freitag, 27.04.2012
  • ab 20:00 Uhr
  • Golem Club, Große Elbstraße 14

Mittwoch, 11. April 2012

Ein Herz für den Kakapo.

Ohne Worte (Video: BBC @ YouTube) 

Es gibt Tiere, bei denen sogar ein Idealist wie ich sich gelegentlich fragt, ob ihre Zeit auf diesem Planeten nicht vielleicht einfach abgelaufen ist. Besonders unerbittlich traf Darwins Geißel den Kakapo. Dieser in Neuseeland beheimatete Papagei steckt dermaßen in einer evolutionären Sackgasse, dass der Aufwand für seine Rettung eigentlich kaum zu rechtfertigen ist. Eine Liebeserklärung an einen Todgeweihten.

Vor 70 Millionen Jahren war der Kakapo zur Auffassung gelangt, in Ermangelung feindlich gesonnener Säugetiere könne er den Siegeszug seiner Spezies bequem auf dem Boden fortführen. Dass ihm seine Gene einen folgenschweren Streich gespielt hatten, bemerkte er – wenn überhaupt – vor etwa 1.000 Jahren. Damals brachten die ersten Siedler fleischfressende Makrosmaten nach Neuseeland, deren Geruchsorgane die extreme Honignote des Kakapos auf Kilometer gegen den Wind zu wittern vermochten: Hunde. Und die Evolution hatte dem Kakapo noch übler mitgespielt. Denn sobald er sich vom neuen Fressfeind aufgespürt wähnte, suchte er sein Heil in einer zum Schutz vor Raubvögeln entwickelten Überlebensstrategie. Er stellte sich tot.

Plötzlich war eine Lebenserwartungen von bis zu 120 Jahren nurmehr theoretischer Natur. Der fatale Moll-Akkord aus Flugunfähigkeit, Geruch und Feindverhalten machte den Kakapo zur leichten Beute. Die indigenen Māori kamen auf den Geschmack. Auch in modischer Hinsicht: Der Kopf des Kakapos galt ihnen als schicker Ohrschmuck. Als dann im 19. Jahrhundert die ersten Europäer neuseeländischen Boden betraten, war das der Anfang vom Ende. Denn die Eigenarten, die den Kakapo für das Leben auf diesem Planeten disqualifizieren, sind noch lange nicht erzählt.

Betrachtet man die nackten Tatsachen, stünde den 127 verbliebenen Kakapos eine nymphomane Veranlagung nicht schlecht. Das Gegenteil ist der Fall. Kakapos sind alles andere als frühreif. Die Weibchen beginnen ihre Familienplanung oft erst mit zehn Jahren. Männchen verspüren den Drang nach Reproduktion erfreulicherweise schon ab dem fünften Lebensjahr. Dummerweise schrecken sie auf der Suche nach Genugtuung auch vor Ästen oder Pullovern nicht zurück, was zwar drollig zu beobachten, dem Erhalt ihrer Art jedoch wenig zuträglich ist.

Ich glaube ja, diese viel beschmunzelte Masturbation rührt daher, dass Kakapo-Weibchen extrem schwer zu beeindrucken sind. Noch nachdem sich das Männchen einen hartumkämpften Platz auf der Balzbühne erstreiten musste, beginnt ein beispielloses Martyrium: Um nicht mit herumliegenden Gegenständen kopulieren zu müssen, bedarf es eines kräftezehrenden Lockgesanges, den der Kakapo bis zu acht Stunden lang erklingen lässt. Darin vermute ich übrigens den wahren Grund, dass alle Kakapos „zu ihrem eigenen Schutz“ auf zwei entlegene Inseln umgesiedelt wurden.

Leider kommt es noch ärger. Bevor das allnächtliche Rezitieren lautstarker Balzballaden mit einer willigen Partnerin belohnt wird, verstreichen bis zu vier Monate. In dieser Zeit verlieren manche Männchen die Hälfte ihres Körpergewichtes. Da bleibt kaum Kraft für das Vorspiel, bei dessen bedingungsloser Komplexität man klar von einem Fetisch sprechen muss. Wippen links, wippen rechts, Schnabelklacken, Bürzelwackeln – die getanzte Krönung von Monaten der Mühen. Und all das für einen Akt, der laut der deutschsprachigen Wikipedia vermutlich „sehr kurz ist“.

Schlimm genug, dass der Kakapo-Koitus nur alle Jubeljahre stattfindet. Obendrein käme keine Kakapo-Dame je auf die Idee, ihr Liebesnest mit Eiern zu segnen, solange nicht genügend Nahrung vorhanden ist. Darunter verstehen die wählerischen Weibchen die Frucht der Rimu-Harzeibe, welche nur alle drei bis fünf Jahre ausreichend gedeiht. Falls es wider Erwarten doch mal klappt, landen ein bis vier Eier – man ahnt es bereits – auf der Erde. Dort müssen sie dann, solange die alleinerziehende Mutter der Hunger plagt, auf sich alleine aufpassen.

Es gibt Tiere, die sich scheinbar selbst überlebt haben. Und doch sind es Endstationen der Evolution wie der Kakapo, die diesen Planeten so wundervoll machen. Nach fast einem Vierteljahrhundert intensiver Arterhaltung hat sich der Bestand von 22 Exemplaren auf 127 stabilisiert. Auf der englischen Wikipedia findet ihr eine Namensliste aller lebenden Kakapos. Ich wünsche mir, dass bei sieben Milliarden Menschen auch in Zukunft noch Platz für sie ist. Mein Lieblingstier ist und bleibt der Kakapo. 

Mein Wissen über diesen liebenswerten Loser entstammt dem exzellenten Eintrag bei Wikipedia.

Sonntag, 8. April 2012

Wie ich durch Selbermachen zum Seitan fand.

Dass ich heute am Herd stehe, den Kochlöffel sicher im Griff wie ein Steuerrad, ein kulinarischer Kapitän auf dem Weg zu neuen Ufern, ist mitnichten meinem Vegetarismus geschuldet. Denn seit einem Jahr umschiffe ich nicht nur Fisch und Fleisch. Auch das Ziel meiner heutigen Expedition suchte ich möglichst zu meiden wie der Seemann die Sirene: Seitan. 

Meine Antipathie gegen die dröge Proteinpampe gründet in der erschreckenden Harmonie zwischen Optik, Geschmack und Preis. Eingeschweißt in Plastik verderben einem die fahlen Lappen bereits den Appetit, bevor man auch nur einen Bissen davon ertragen musste. Noch unerträglicher ist nur die gemutmaßte Marge des Herstellers.

Trotzdem zog es mich heute munter pfeifend gen Küche. Und zwar wegen einer Zahl: vier. Viermal, so das plausible Versprechen zahlreicher Rezepte, kann man der drögen Masse seinen Geschmack aufzwingen, bevor man sie verzehrt: Beim Kneten, beim Kochen, beim Marinieren und natürlich bei der Zubereitung der eigentlichen Speise. 

Was gehört auf die Einkaufsliste? 

Gluten
Gluten besteht aus Proteinen und wird aus Getreidesamen gewonnen. Wer es kompliziert mag, kann Gluten aus Weizenmehl herauswaschen, eine Erfahrung, auf die ich bei einem Kilopreis von 3,20 € getrost verzichte. 


Gewürze
Seitan ist wie ein Schwarzes Loch für Aromen – ihr könnt euer komplettes Gewürzregal hineinwerfen und werdet trotzdem überrascht sein, wie neutral es noch schmeckt. Also keine falsche Bescheidenheit! 

Wasser 
Gluten und Gewürze mische ich im Verhältnis 1:1 mit Wasser. 

Also frisch ans Werk:
  • Zunächst füllte ich 250 g Gluten in eine Schüssel. Mit dieser Menge kann man vier Personen verköstigen.
  • Beim ersten Würzen fiel meine Wahl auf jeweils zwei bis drei Esslöffel edelsüße Paprika, Kurkuma, Muskatnuss und frisch gehackten Koriander sowie eine Prise schwarzen Pfeffer und Himalajasalz.
  • Nachdem alles gut vermengt war, verrührte ich das Pulver mit 250 ml lauwarmem Wasser zu einem Teig. Schnell lag in der Schüssel ein widerspenstiger Gummiball, den ich mit der Hand grob in die Form eines Laibes brachte.
  • Mit einem scharfen Messer und roher Gewalt gelang es mir, den Laib, obgleich er bewaffneten Widerstand leistete, in ca. 8 Millimeter dicke Scheiben zu schneiden.
  • In einem großen Topf setzte ich den Sud an: zwei Liter Wasser, eine Schalotte, einige Knoblauchzehen und Lorbeerblätter, eine halbe Tube Tomatenmark und ein ordentlicher Schuss dunkle Sojasauce. Darin kochte ich die Seitanscheiben vierzig Minuten. 
Wie es jetzt weitergeht, liegt ganz bei euch. Man kann die Seitanscheiben gleich essen, marinieren, im Ganzen oder als Geschnetzeltes braten und natürlich grillen. Im Kühlschrank hält der Seitan in seinem eigenen Sud locker eine Woche. Mir hat es dieses vielfältig verwendbare und obendrein spottbillige Lebensmittel jedenfalls extrem angetan!

Wer bei Google nach „Seitan aus Gluten“ stöbert, stößt auf Unverbissen Vegetarisch, den Blog von Claudia Klinger. Ihrer Schrift gewordenen Euphorie verdanke ich die köstliche Erweiterung meines kulinarischen Horizontes. Besucht sie doch mal:
> Seitan selber machen bei „Unverbissen Vegetarisch“
Beim Würzen des Gluten heißt es Farbe bekennen

Mein knallgelbes Gummibrot

3 in 1: Kochflüssigkeit, Marinade und Grundlage der Sauce

Schade, dass Fotos nicht duften können

Davon können sich Fleischesser ruhig eine Scheibe abschneiden

Hier harmonieren nicht nur die Geschmäcker

Serviervorschlag: Seitangeschnetzeltes mit Paprika und Pilzen. Bon appétit!

Für florale Hochstapler: Wir bauen uns einen vertikalen Garten.

Heute wurde ich Zeuge, wie meine Freundin aus zwei maroden Paletten, einer Plastiktüte, zwei Lappen und einigen Nägeln, also aus nichts als Müll, einen vertikalen Garten baute. Aufmerksam geworden auf diese Art der Balkonbegrünung war sie übrigens bei Pinterest, einem sozialen Netzwerk zum Austauschen von Fotos, das zum Großteil von Frauen genutzt wird.

Um sich einen vertikalen Garten zu bauen, muss man weder handwerklich begabt, noch Millionär sein. Folgende Dinge kamen bei uns zum Einsatz:
  • eine Palette
  • eine Plastiktüte
  • Haushaltstücher
  • grobes Schmiergelpapier
  • Hammer und Nägel
  • eine Zange
  • Blumenerde und Pflanzen
Und nun frisch ans Werk:
1. Reine Formsache. Lehnt die Palette mit den Füßen nach vorne an die Wand und schlagt mit dem Hammer drei Bretter aus der Oberseite heraus. Das werden die Böden der Beete. Bevor es weitergeht, schmirgelt das Holz gründlich ab.
2. In trockenen Tüchern. Das Holz einer Wegwerfpalette ist maroder als die Pappe, die IKEA verbaut. Damit die Böden nicht gleich wegmodern, hat meine Freundin sie einseitig mit einer Tüte bespannt.
3. Dreimal auf Holz geklopft. Stellt die Palette auf den Kopf und nagelt die Bretter mit der bespannten Seite nach unten auf Füße.
4. Im Handumdrehen fertig. Dreht die Palette wieder um. Es sind sechs Körbchen entstanden, die später bepflanzt werden.
5. Nicht ganz dicht? Da zwischen Böden und Rückwand jeweils eine Lücke klafft, hat meine Freundin zwei Haushaltstücher geopfert.
6. Bezugsfertig. Die Tücher verhindern, dass Erde rückseitig herausrieselt und vermeiden Staunässe. Jetzt kann gepflanzt werden!
7. Balkon mit Ausblick. Da die Beete nur sieben Zentimeter tief sind, haben wir für die Bepflanzung kriechende Gewächse wie Kleinblättrige Kriechspindel und Steinbrech gewählt. Auf dem Sonnendeck: Erdbeeren.
8. Zuviel des Grünen! Der vertikale Garten ist fertig, die Hälfte der Pflanzen trotzdem obdachlos. Aber stand da nicht noch eine weitere Palette im Keller?
9. Alles paletti! Le voilà – unser vertikaler Garten.
Alle Fotos gibt’s bei Pinterest auf dem Suttnerblog Board „Urbanes Gärtnern“.

Donnerstag, 5. April 2012

Das Waldhaus auf dem Holzweg.

Der kahle Suttnerpark, dekoriert mit Treezer fürs iPhone
Seit die Landschaftsgärtner vor meiner Haustür Kahlschlag säten, bin ich besonders empfänglich für jedwede Art der Aufforstung. Daher war ich recht erfreut, als ich auf Treezer stieß. Mit dieser App kann man virtuelle Bäume pflanzen: einfach mit dem iPhone ein Foto schießen, einen Baum aussuchen und im Bild platzieren – fertig.

Von der Buche im Badezimmer bis zur Tanne mitten auf der Holstenstraße  – Treezer lässt keine arbophile Fantasie unbefriedigt. Das Besondere: Für das erste Foto, das man bei Facebook teilt, wird angeblich irgendwo ein echter Baum gepflanzt. Aber von wem? Wer steckt hinter Treezer?

Initiator der App ist die Stiftung Unternehmen Wald, die sich „für die Förderung des Naturschutzes, der Landschaftspflege und der nachhaltigen Entwicklung einsetzt“. Finanziert wird sie zum Großteil durch Sponsoring. Über 10 % ihres Jahresbudgets stammen von der Klosterfrau Vertriebsgesellschaft mbH, nur rund 10 % stammen aus Spenden.

Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist Rüdiger Kruse, seines Zeichens Bundestagsabgeordneter der CDU Eimsbüttel. Nebenbei leitet Kruse als Geschäftsführer die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). In dieser Funktion lebte er zeitweise anstelle des Försters im Forsthaus Niendorf, welches von seiner SDW genutzt wird.

2009 verkündete die SDW, das schmucke Forsthaus zu einem „Haus des Waldes“ mit Restaurant und Tagungszentrum ausbauen zu wollen, finanziert durch 4 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Doch daraus wurde nichts: Ein erfolgreiches Bürgerbegehren erboster Eimsbüttler schützte den Wald vor seinen Schützern.

Aber es kommt noch besser. Denn bald öffnet das umstrittene Baumhaus seine Pforten: als „Exzellenzprojekt“ der Internationalen Bauausstellung (IBA) auf der Wilhelmsburger Elbinsel, für deren Bebauung mehr als 2.000 Bäume gefällt wurden. Das mag der Grund dafür sein, dass sich die fünfstöckige Holzbeschau nunmehr Wälderhaus nennt.

Ab Juli 2012 sollen dort jährlich 60.000 Schulkinder, von denen viele noch nie im Wald waren, ein Waldmuseum besuchen, wo einst ein Wald war.

PS Als bekennender Gegner der Atomenergie ist Rüdiger Kruse übrigens Empfänger von bislang 130.000 Protest-E-Mails der Campact-Initiative „Atomtod exportiert man nicht“. Hier könnt ihr ihm schreiben:

Sonntag, 1. April 2012

Neubau am Suttnerpark: Baustelle statt Baumstelle.

Was andere als Lärm empfinden, gleicht mir einem süßen Schlaflied. Nur auf Kettensägen reagiere ich empfindlich. Als mich Letztere am Dienstagmorgen senkrecht ex nocte expedierten, legten sich die Bäume am Electrolux-Areal beim Suttnerpark für immer in die Waagerechte.

Unter polizeilicher Aufsicht ließen ungewohnt emsige Landschaftspfleger munter die Sägen singen. Dank Ausnahmegenehmigung focht sie die seit Mitte März geltende Baumschonzeit nicht an – eine Diplombiologin hatte den Kahlschlag für ornithologisch unbedenklich erklärt.

Am Mittwoch dann traten die Bäume – als Häcksel vereint – ihre letzte Reise an. Und gaben den Blick frei auf den Abriss vertaner Chancen: Die Baustelle „Wohnen am Suttnerpark“. Doch jedes Ende bedeutet einen neuen Anfang. Der Freundeskreis Suttnerpark wird ihn mitgestalten. 

Kommt in den Freundeskreis Suttnerpark
  • Dienstag, 03.04.2012
  • ab 20:00 Uhr
  • an der Tischtennisplatte im Suttnerpark (falls sie dann noch steht)
  • Wir planen die Urban Gardening Saison 2012 und weiter Aktionen
Baumfriedhof vor dem Electrolux-Gelände
Kahlschlag für den Neubau „Wohnen am Suttnerpark“
Ende des Wachstums
Vis-a-vis zur Baustelle: Das Nachbarschaftsbeet