Freitag, 28. Oktober 2011

Wie ich guten Gewissens dick auftrug.

Letzte Woche packte mich ein ungewohnter Tatendrang, über dessen farbenfrohe Folge ich berichten möchte: Eine Wand meiner Heimstatt erstrahlt nunmehr ökologisch korrekt in hausgemachtem Weiß!

Den Mut für dieses flächendeckende Unterfangen weckte wohl der Umstand, dass ich seit einem Jahr sowohl meinen Haushaltsreiniger als auch mein Waschmittel umweltverträglich und günstig selbst herstelle.

Zutaten und Mischverhältnis entstammen zum Großteil der Website des WDR, welche leider die benötigte Wassermenge ungenannt lässt. Letztere habe ich herausgefunden und ergänzt. Hier die Einkaufsliste für 10 m2:

Magerquark (500 g)
Wenig Fett, viel Milcheiweiß – Magerquark ist die perfekte Grundlage für ein Bindemittel. Ich griff zu einem schlichten Bio-Magerquark.

Hirschhornsalz (15 g)
Dieses nach Ammoniak riechende Pulver dient auch als Triebmittel beim Backen
. Hier schließt es das Kasein im Quark auf. 100 g kosteten 2,98 €.

Champagnerkreide (700 g)
Als Füllstoff gibt die Kreide der Farbe ihre Deckkraft. 1 kg schlug mit 2,98 € zu Buche.

Pigmente (ca. 350 g)
Pigmente sind in allen erdenklichen Farben erhältlich und lassen sich gut untereinander mischen. Zu meiner Wand passte Titanweiß, der mit
10,41 € für 1 kg einzig nennenswerte Kostenfaktor.

Wasser (ca. 500 ml)
Frisch aus der Leitung. Lecker.

Und nun zur Tat:
  • Um Hautkontakt zu vermeiden, habe ich Quark und Hirschhornsalz in ein Plastiktütchen vom Gemüseladen expediert. So konnte ich beides bequem vermischen. Olfaktorische Kleingeister verlagern den Vorgang besser ins Freie.
  • Das Titanweiß habe ich – ebenfalls in einem Plastiktütchen – im Verhältnis 3/1 mit Wasser vermengt, bis es nicht mehr klumpte.
  • Die Champagnerkreide habe ich in einem Eimer mit Wasser angerührt und zwar im Verhältnis 5/3, was bei 700 g Kreide etwa 400 ml Wasser entsprach.
  • Nachdem alle Zutaten drei Stunden eingeweicht waren, wurde es ernst: Durch geschicktes Umstülpen der Plastiktütchen wanderten Quarkgemisch und Titanweiß in den Eimer mit der Kreide. 
  • Da mir die Farbe nicht weiß genug erschien, gab ich heimlich weitere 100 g Titanweiß hinzu. Umrühren – fertig.
Das Ergebnis ist günstig, deckt hervorragend und lässt die Wände atmen, während übliche Dispersionsfarben sie unvorteilhaft versiegeln! Hier ein paar Farbfotos des Prozederes:

Magerquark und Hirschhornsalz ...

... lassen sich hervorragend in einer Tüte mischen

Champagnerkreide auf der Goldwage

Zur eingeweichten Kreide kommen das Quarkgemisch...

... und das eingeweichte Titanweiß. Le voilà: Wandfarbe!

Kommentare:

  1. Guten Gewissens... Kann man dann sein, wenn man kein tierisches Produkt verwendet, für das gelitten wurde. Meine Meinung.. Bio bedeutet nichts, wenn es um Tierhaltung geht.

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  2. Hi Anonym. Eine vegane Alternative könnte Leimfarbe sein. Der benötigte Tapetenkleister ist, soweit ich weiß, rein pflanzlich. Vielleicht teste ich das bei der nächsten Wand!

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